Wo im Südpantanal sind denn die Jaguare?
Das Ziel meiner nächsten Etappe in Brasilien ist das Pantanal, einem der größten tropischen Feuchtgebiete der Erde, das jetzt in der zu Ende gehenden Trockenzeit noch zu Tier-, insbesondere Jaguarbeobachtungen einlädt. Der Süden des Pantanal ist von Paraguay leicht erreichbar, bietet aber nur eine geringe Chance, Jaguare zu sehen. Im Nordpantanal ist die Jaguardichte dagegen höher, würden aber weitere 1100km Anfahrt bedeuten, zumal mir die beginnende Regenzeit nicht gerade in die Karten spielt, denn bei Regen werden die schmierigen Erdstraßen im Pantanal zumindest für Motorradfahrer zum unüberwindbaren Hindernis. Hoffen wir also mal, dass ich im Südpantanal was zu sehen bekomme.
Nachdem die Ausreise aus Paraguay so schnell ging, rechne ich im Brasilianischem Porto Murtinho, wo mich die Fähre wieder ausspuckt, mit einer ähnlich einfache Einreise. Doch weit gefehlt, denn es gibt in der kleinen Stadt weder Immigration noch Zoll, um meine benötigten Einreisestempel zu bekommen. Die lokale Polizei meint, ich müsse zur nächsten großen Grenze nach Ponta Porã oder gleich zur Millionenstadt Campo Grande fahren, alles Umwege von einigen hundert km. Aber ich lass mich nicht entmutigen und setze darauf, in Bonito, meinem ursprünglich angepeilten Ziel, den Papierkram machen zu können. In Bonito gibt es vor allem kristallklare Bäche mit vielen bunten Fischen, in denen man schön schnorcheln kann, genau die richtige Abkühlung, die ich jetzt brauche. Aber es läuft gerade nicht so richtig mit meinen Aktionen. Das Wasser der Bäche ist zwar wie versprochen kristallklar, aber die meisten der bunten Fische scheinen ausgeflogen zu sein. Wenigstens bietet das Schnorcheln die erwünschte Abkühlung.





Auch bzgl. Immigration und Zoll habe ich mit Bonito aufs falsche Pferd gesetzt, denn es gibt in dem kleinen Touristenörtchen keinerlei Behörden. Mir bleibt also nur, auf meinem weiteren Weg ins Südpantanal die 500km Umweg über Ponto Porã abzureißen. Immerhin fällt dort niemanden auf, dass ich mich ja quasi schon seit 2 Tagen illegal im Land befinde. Innerhalb von Minuten bekomme ich mein Einreisevisum bzw. das TIP für das Motorrad und die Beamten winken fröhlich für das Gruppenfoto.

Im Südpantanal endlich angekommen, mache ich zwei Bootstouren auf mehreren Flüssen und bekomme zum ersten Mal die Faszination dieser riesigen, vom Wasser bestimmten Landschaft mit, Natur, Vögel und Kaimane zuhauf, nur leider keine Jaguare. Eine Bootstour geht sogar bis in die Dunkelheit, um mit starken Taschenlampen das Ufer nach grünen Jaguaraugenpaaren absuchen zu können, aber nichts funkelt grün. Mehr Spaß habe ich dafür mit einer Brasilianischen Anglergruppe, die den Frust über ihre ebenfalls schlechte Ausbeute in den Dutzenden mitgebrachten Bierdosen ertränken.












So richtig Spaß macht es, auf der 120km langen Naturstraße „Estrada Parque Pantanal“ zu fahren, die das Südpantanal durchzieht. Die Häuser der anliegenden Farmen sind auf hohen Stelzen gebaut und vermitteln einen Eindruck, wie hoch das Wasser zur Regenzeit ansteigen kann. Noch ist es trocken und ich düse mit lockeren 100 km/h über das Wellblech. Die vielen Holzbrücken sind in einem guten Zustand und leicht zu befahren, aber ein mulmiges Gefühl bleibt, denn es gibt keine Brückengeländer und in den Tümpel unter den Brücken lauern die Kaimane. Ok, laut KI sind die Tiere für Menschen ungefährlich, aber habe die Kaimane auch KI?
Inzwischen bin ich in Corumbá, der Grenzstadt nach Bolivien angekommen. Eigentlich wollte ich hier meine Reise durch Brasilien beenden und so langsam nach Süden, Richtung Patagonien abbiegen. Aber ich habe noch nicht einen einzigen Jaguar gesehen, wo doch selbst die Feuerwehrmänner, die mit mir an einer Autofähre warten, zum Selbstschutz vor dem gefährlichen Tier eine Pistole mit sich führen. Irgendwo muss der Jaguar doch stecken! Ein neuer Plan muss her! Zum Glück hatte ich vor ein paar Tagen zwei Motorradfahrer aus Corumbá getroffen, die sich hier natürlich gut auskennen. Einer der beiden ist Motorradmechaniker und wir besprechen gemeinsam in seiner Werkstatt bei Piranha, Dourado und Cachaça, wie es für mich weitergehen kann. … Das Motorradnetzwerk funktioniert!
