Uruguay – Aug26

Es ist sooo kalt in Uruguay

Wenn man in nicht einmal zwei Jahren zum dritten Mal den gleichen Kontinent bereist, ist das schon fast wie heimkommen. Man weiß, wie die Leute ticken, kennt das Prozedere bei der Immigration, weiß, wo man an ein Ticket für den Fernreisebus kaufen kann und kennt die Tücken der ATMs, um an Bargeld zu kommen, wobei das eigentlich gar nicht nötig ist, denn in Südamerika kann man selbst an der kleinsten Würstchenbude mit Karte oder Handy bezahlen. Und selbst die internationale eSIM vom letzten Jahr funktioniert auf Anhieb. 

In Teil2 meiner Südamerikareise hatte ich im Sept25 mein Motorrad bei einer Deutschen Auswanderin in Colonia del Sacramento in Uruguay untergestellt. Natürlich bringe ich ihr jetzt ein paar Sachen aus unserer Deutschen Heimat mit. Dinge, die man als Deutscher Auswanderer halt vermisst, u.a. – und jetzt nicht lachen! – mehrlagiges Klopapier. Spätestens am Flughafen von Montevideo ist mir wieder klar geworden warum, …  Ok, noch wichtiger ist natürlich der Zustand meiner BMW und der Ausrüstung, die elf Monate gut verpackt unter einer Plane verbracht hatten. Gott sei Dank ist alles im besten Zustand und mein Motorrad springt auf Anhieb an. 

Die BMW ist übrigens seit zwei Jahren nicht mehr in Deutschland zugelassen. Warum auch! Ich habe ja noch den KFZ-Schein, der ausserhalb Europas vollkommen reicht, wenn das, natürlich entstempelte Nummernschild dazu passt. Und nach demTÜV fragt hier eh keiner. Nur eine KFZ-Versicherung muss man unbedingt abschließen, denn die in Europa übliche Grüne Versicherungskarte gilt hier natürlich nicht. Für die Mercosur-Staaten gibt es eine, in der Szene bekannt Gisela aus Buenos Aires, die zwar noch niemand zu Gesicht bekommen hat, die aber nach Überweisung der Versicherungsprämie auf ihr US-Konto umgehend einen Versicherungsschein der Allianz zu mailt.

Es ist Samstag. Um am Montag bei Schmidts Werkstatt Ölwechsel und ein paar kleinere Reparaturen an der BMW durchzuführen zu lassen, verbringe ich die Zeit mit Fitness und Schuhputz, aber dann kann es schon losgehen auf die große Runde von Uruguay über Brasilien nach Patagonien, sechs Monate habe ich mir dafür wieder Zeit genommen.

Aber es ist soooo kalt hier. Während Ihr daheim bei über 35 Grad die Freibäder stürmt, bin ich schon froh, wenn die Temperatur nicht unter 10 Grad fällt, tagsüber wohlgemerkt. Der starke Wind vom Atlantik tut sein übriges. Vor den Häusern in Colonia del Sacramento wird fleissig Feuerholz gebunkert, während das Bett einer besonders kalten, feuchten und ungeheizten Ferienwohnung mit einer Heizdecke ausgestattet ist! Ich würde natürlich niemals zugeben, dass ich sie benützt habe. Ihr?

Man bezeichnet Uruguay auch als die Schweiz Südamerikas. Warum eigentlich? Nun, die auf flachen Wiesen unter Palmen grasenden Rinder sind es sicherlich nicht. Eher schon die vielen Luxusjachten im Hafen von Punta del Este, dem Saint-Tropez Südamerikas, die von dem relativen Wohlstands Uruguays zeugen. Essen ist sehr teuer, die wegen der Kälte notwendigen Cappuccino-Wärmepausen reisen ein erstes kleines Loch in meine Reisekasse und selbst der billige Ersatz für meine daheim vergessene Haarbürste kostet ein Vermögen.

Wegen der Kälte beschließe ich, die Sehenswürdigkeiten Uruguays erstmal auszulassen und möglichst schnell in den hoffentlich wärmeren Norden zu fahren. Wahrscheinlich komme ich ja am Ende meiner Reise im Südamerikanischen Spätsommer nochmals hierher, um das nachzuholen. Die kürzeste Strecke nach Norden führt mich direkt am tosenden Atlantik entlang bis zur Brasilianischen Grenzstadt Chuy. Ich freu mich schon.